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Downtime with Stevie Schneider

Zeit zum durchatmen mit Stevie Schneider

Ich bin gerade im Urlaub. Genauer gesagt im verletzungsbedingten Zwangsurlaub. Um ehrlich zu sein, passt mir diese Auszeit sehr gut in mein Konzept. Es ist herrliches Wetter, ich sitze in der Sonne, nasche an meinen Kräutern und lasse die doch sehr intensiven letzten Wochen und Monate Revue passieren. Dabei versuche ich möglichst wenig zu lachen, da sowohl meine angeknacksten Rippen als auch mein kaputtes Schultereckgelenk jegliches Gelächter, Niesen oder Husten mit einem stechenden Stich verglichen werden.

Nach dem Vitamin-D-Überschuss von Mexiko hat der Winter trotz ein paar spannenden Foolhouse Media Projekten an meiner seelischen Substanz genagt und der Drang nach staubigen Trails, weniger Verantwortung und Sonne wurde konstant größer. Schier ein perfektes Timing, dass mich Korbinian Engstler genau zu diesem einlud, seinem Hypecam Biketrip mit seinem Partner Nikolaj, im malerischen Vinschgau (Südtirol) beizuwohnen.

Da mir weder „Latsch im Vinschgau“, noch Korbi wirklich bekannt waren - ich kannte ihn bis dahin nur über das Telefon, war ich gleich beflügelt wie skeptisch. Unwissend, was mir blühen würde, nahm ich die Einladung demütig an, warf mein Hab und Gut auf die Ladefläche meines in die Jahre gekommenen Mercedes (AMG) und trat die Reise nach Italien an. Würde es ein Influencer Bike Trip werden? Würden wir alle paar Meter Halt machen, um Selfies aufzunehmen oder altklug Halbwissen und andere Kommentare in die Kamera zu sprechen? Oder würden am Ende gar doch guter Vibe und knackige Trails im Vordergrund stehen?

In Latsch angekommen war ich erstmal von der Landschaft überwältigt. Das Appartement inmitten von Monokulturen von Apfelbäumen sollte einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Bereits beim verspäteten Check-In merkte ich, dass der Vibe stimmt. Kaum später standen wir dank „Michis Bikeshuttle“ bereit zum ersten Sunset-Run am Berg.

Tag für Tag versetzten mich sowohl der Fahrstil von Korbi, gleichermaßen wie der von Nikolaj und die Trails ins Staunen. Für meinen Gusto wurde zwar etwas viel an Actioncameras herumgedrückt und justiert, um so das Gefilmte noch schneller wirken zu lassen. Dennoch sage ich euch – jede einzelne Hypecam Pause war ein purer Genuss. Zum einen, da ich noch nicht an den Speed gewohnt war, zum anderen, weil mich die Landschaft in ein unbändiges Staunen versetzte, obgleich die verschiedenen Trails oder die mystischen Raupengeflechte in den Bäumen.

Zwischen den Abfahrten auf den verschiedenen Trails wurde der Gaumen mit Pizza, Pasta und Espresso Pausen zufrieden gestellt und so ist der Spirit nach und nach von Hypecam auf Vibecam geswitched.

Du kannst dir unseren kleinen Dolce-Vita-Urlaub auf Youtube unter Hypecam Vinschgau ansehen.

Sidefact: Nachdem ich vom Hals abwärts bis hin zu meinen Genitalien von höllischem Juckreiz geplagt wurde, habe ich den Netdoktor um Hilfe gebeten. Notiz für mich und allen anderen Abenteurern da draußen... Haltet euch fern von den mystischen Raupen im Vinschgau – dabei handelt es sich um niemand geringeren als den gemeinen Prozessionsspinner, dessen feine Härchen hochallergische Reaktionen auslöst.

Nachdem ich mich ausreichend davon überzeugt hatte, dass Südtirol doch Italien ist führte mich die nächste Reise nach Frankreich.

Mein französischer Freund Olivier Cuvet hat den Winter damit verbracht, seinen Spot „Le Labo“ in der Nähe vom Genfer See, der schon massiv war, noch massiver zu bauen und lud mich zu seinem jährlichen „Alchemie Invitational Jam“ ein. Ich persönlich kenne außer Olivier niemanden mit einem derartigen Freeride Spot „hinten im Garten“.

Dieser Trip war für mich absolutes Neuland, da mich meine Freundin das erste Mal auf einem Biketrip begleitet hat. Laura und Ellen wurden von OIivier beauftragt, für das leibliche Wohl der Teilnehmer und Gäste mit ihrem Catering Service „Himmel und Erde“ zu sorgen. Ich war heilfroh darüber, da die Franzosen bei Freeride Events ganz nach dem Kulinarik Motto zum „schei**en reichts“ leben.

Abseits der Esskultur sind die Franzosen die einzigen, die ich bis dato kennengelernt habe, für die Freeriden gleich Leistungssport bedeutet. Es wird früh aufgestanden und hart gefahren – den ganzen Tag.

Bier und andere Genussmittel gibt es erst nach der Session, quasi konträr zum österreichischen Freeriden. Auch Skills und Niveau am Bike unterscheiden sich von dem, was ich sonst sehe, egal ob auf den umliegenden Trails oder in der Luft. Was die sprachlichen Skills abseits der französischen Sprache betrifft. Englisch? Fehlanzeige. Man muss sich damit abfinden, dass ausnahmslos in französischer Sprache kommuniziert wird. Dank meinem zweirädrigen Universalwörterbuch war mir das Kommunizieren dennoch problemlos möglich. Nach der sehr testosteron geladenen Woche, mit himmlisch-erdenden Genüssen ging die Reise für Laura und mich weiter und gipfelte schließlich in Ardèche. Wenn ihr Turteltauben seid und einen Büchsenöffner für eure Beziehung braucht, würde ich diese Gegend von Frankreich wärmstens empfehlen. Gutes Essen, guter Wein, rote Rosen und schöne Dörfer zu absolut erschwinglichen Preisen machen das Liebesglück perfekt. Zu allem Überfluss gibt es obendrauf ein paar versteckte Freeride Lines.

Den zu Anfang erwähnten Zwangsurlaub habe ich mir bei meinem letzten Roadtrip selbst verschrieben, denn leider war es mehr Road als Trip, da ich die Rote Karte schon bei meinem ersten Stopp kassiert habe.

Eigentlich am Weg nach Polen zur Fest Line, habe ich einen Zwischenstopp eingeschoben und die Einladung von Bernd Winkler angenommen zu der Eröffnung seiner Jumpline „Rise n Fly“ in Miesenbach.

Zunächst möchte ich erwähnen, mit wie viel Liebe Bernd und die Crew von Miesenbach die Jumpline designed und geshaped haben.

Nach einer herrlichen, langen Session habe ich mich bei der letzten Abfahrt vornehm an einem der Sprünge der Jumpline mit einem massiven Case ausgeknockt. Als meine Systeme wieder hochgefahren sind war mir prompt klar, dass meine Hardware im Schulter- sowie Rippenbereich schaden genommen hat. Da ich aber ein Glückspilz bin benötige ich kein Operatives Update nur Zeit zum rebooten.

Jetzt habe ich endlich die Zeit, mir das Jonglieren mit 5 Bällen beizubringen, den Griller zum Glühen zu bringen und spannende Gespräche für meinen Podcast die Stevie Schneider Show aufzuzeichnen.

Wenn ihr das lest, sitz ich höchstwahrscheinlich schon wieder im Sattel oder mit dir in der Gondel.

Wenn du persönliche Reisetipps benötigst, schreib mir @stevefuckingschneider

Photos: Zoé Bosquillon, Léo Grosgurin

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