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Chasing a Vision – Yalla!! V2 in Squamish Chasing a Vision – Yalla!! V2 in Squamish

Von der Vision zur Realität – Yalla!! V2 in Squamish

Lange Zeit war Squamish für mich mehr eine Vorstellung im Kopf als ein Ort auf der Landkarte. Ich hatte Bilder von hohen Bäumen, dunklem Waldboden und Nebel, der zwischen den Stämmen hängt – lange bevor ich die Chance hatte, es selbst zu erleben.

Letzten Winter haben wir angefangen zu überlegen, wo wir das Yalla V2 Foto- und Videoprojekt umsetzen könnten, und Squamish kam immer wieder auf. Mitteleuropa war schnell raus – zu viele Variablen so früh in der Saison, um sicher gute Ergebnisse zu bekommen. Also wurde aus der Frage „ob“ ziemlich schnell ein „warum eigentlich nicht?“

Wenn wir ehrlich sind, geht es am Ende weniger darum, wie man reist, sondern wohin. Wenn man schon reist, dann für einen Ort, der es rechtfertigt. Die Entscheidung stand fest: mein erstes Mal Squamish. Ein legendärer Spot, ein lokaler Teamfahrer und genug Zeit, um nicht nur das Bike, sondern auch alles drum herum einzufangen.

Mein Name ist Jonas und ich arbeite im Marketing bei RAAW. Auf diesem Trip war ich verantwortlich für Foto, Video, Action Shots, den Riding Edit, die Organisation vor Ort – und vor allem dafür, dass wir am Ende mit Material zurückkommen, das den Release des neuen Yalla genauso transportiert, wie sich der Trip angefühlt hat.

Die Planung war entsprechend spontan. Sehr spontan. Ein großer Koffer voller Kamera-Equipment, ein extra Rucksack und ein Bike, das auf keinen Fall verloren gehen durfte. Kein Bike, kein Shoot. So einfach war das. Kurz vor dem Flug kam die Idee auf, Jo zu fragen, ob er mitkommt. Ebenfalls bei RAAW, komplett bike-verrückt und bei solchen Trips sofort dabei. Seine Zusage kam ohne Zögern.

Die Fahrt nach Frankfurt war irgendwo zwischen Vorfreude und leichtem Chaos. Gedanken, die immer wieder hochkamen: Kommt das Gepäck an? Kommen die Bikes an? Viel mehr als hoffen konnte man in dem Moment nicht tun.

Am Flughafen in Vancouver gab es dann diesen kurzen Moment, in dem alles stillstand. Ich war schon durch die Kontrolle durch und drehte mich um. Jo stand ein paar Meter hinter mir. Ein Security-Mitarbeiter hielt seinen vorläufigen Reisepass in der Hand, schaute darauf, schaute Jo an und fragte trocken: „Was ist das?“

Aus der Entfernung sah ich nur Jos Gesicht – irgendwo zwischen leichter Verzweiflung und tausend Gedanken gleichzeitig. Ein paar Worte später schob der Mitarbeiter den Pass zurück über den Tresen, Jo kam durch, und wir grinsten uns kurz an. Jetzt waren wir wirklich da.

Nach der Landung ging es direkt weiter nach Squamish. Schon die Fahrt fühlte sich besonders an. Die Straße führte durch eine Landschaft, die man sonst nur aus Videos kennt – hohe Bäume, Berge und diese schwer zu beschreibende Ruhe. Irgendwann klickte es: Das war kein Pinterest-Moment. Das war echt.

Der Jetlag hat reingehauen. Jo ist immer wieder kurz weggenickt, also haben wir versucht, uns gegenseitig wach zu halten. Um 20 Uhr haben wir aufgegeben. Schlaf hat gewonnen.

Die Shooting-Tage starteten früh. Kamera, Linsen, Snacks, Regenjacken und Schutz fürs Equipment. Das Wetter war nicht ideal – aber das spielte hier kaum eine Rolle. Squamish funktioniert einfach. Jeder Abschnitt im Wald fühlte sich an wie eine fertige Location. Kein langes Suchen, kein Hinterfragen. Bike-Details, Action Shots, Sequenzen für den Riding Edit – alles hat sich fast von selbst ergeben.

Coen, unser lokaler Teamfahrer, kannte die Trails in- und auswendig. Ruhig, präzise, mit dieser Selbstverständlichkeit, die man nur hat, wenn das hier Zuhause ist. Rob Perry war als Fotograf dabei, Jo hat unterstützt, ist selbst ein paar Laps gefahren und dann wieder ins Shooting gesprungen. Alles war eingespielt. Klare Rollen, wenige Worte. Kein unnötiger Druck. Genau so, wie man arbeiten will.

Abends saßen wir zusammen, haben Burger oder Tacos gegessen, ein Bier getrunken und die Tage sacken lassen. Einer dieser Abende endete in einer spontanen Eis-Aktion. „Medium“ stellte sich als riesiger Becher heraus – mit mehr Cookie Dough als Eis. Die Regel war schnell klar: Wir fahren erst weiter, wenn der Becher leer ist. Danach saßen wir voll, leicht überfordert und ziemlich zufrieden im Auto. Diese kleinen, völlig unnötigen Momente sind die, die am längsten bleiben.

In den letzten Tagen vor der Heimreise habe ich mir dann das Bike geschnappt, das wir die ganze Zeit geshootet haben, und bin selbst gefahren. Eines Nachmittags kam Coen dazu und hat uns ein paar Trails gezeigt.

Als er ankam, war sofort klar: Arbeit ist vorbei. Kein Race-Outfit mehr, keine Startgate-Energie. Halbschale, Shorts, T-Shirt. Locker, entspannt – und ziemlich genau abgestimmt auf den Moment, in dem sich zum ersten Mal die Sonne gezeigt hat.

Schon beim Filmen hatte ich gemerkt, wie verspielt sich die Trails hier fahren müssen. Jetzt konnte ich es selbst erleben. Zum ersten Mal war ich nicht der Typ mit der Kamera am Rand, sondern einfach Teil der Gruppe. Noch ein Shuttle-Lap. Einfach fahren, jemandem folgen, der jede Kurve kennt. Kein Nachdenken, kein Plan – einfach biken.

Jonas fährt das Yalla!! V2
Jo auf seinem Madonna V3

Beim letzten gemeinsamen Essen kam das Thema „kanadischer Geschmack“ nochmal auf. Jo und ich haben uns kurz angeschaut, als Coen Pasta serviert bekam – mit etwas obendrauf, das aussah wie ein schnitzelartiges, frittiertes Truthahn-Steak. Für uns beide komplett gegen alles, was wir aus Italien und gutem Essen kennen. Wir haben gelacht, den Kopf geschüttelt und still festgestellt: Auf dem Bike bekommt Kanada deutlich mehr richtig hin als auf dem Teller.

Am Ende hat sich der Trip wie ein ziemlich perfekter Abschluss angefühlt. Er hat genau gezeigt, was RAAW für mich ausmacht. Es geht nicht nur um Bikes. Es geht um Menschen, Vertrauen und die Möglichkeit, Dinge zu erleben, die andere nur aus Videos kennen. Arbeit und Freizeit verschwimmen. Kreative Freiheit trifft echtes Fahren. Und genau da entstehen die Geschichten, die man wirklich erzählen will.

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